Yunus Malli im SPORT BILD-Interview
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Malli kam im Winter aus Mainz, stand seither immer in der VfL-Startelf. Gelang eine Vorlage, aber noch kein Tor. / Quelle: Getty / All rights reserved.

Yunus Malli: „Ich bin noch nicht bereit für einen Top-Klub“

Der Spielmacher über seine Entwicklung, den Abstiegskampf, Terror und die Türkei

Von Robert Schreier 

Gnadenlos ehrlich spricht Wolfsburgs Spielmacher Yunus Malli in SPORT BILD über seine Entwicklung, den Abstiegskampf, Terror und die Türkei

Sport Bild: Herr Malli, Sie sind ein starker Techniker. Ist Abstiegskampf schwieriger für Spielertypen wie Sie?

Yunus Malli (25): Das kann schon sein. Ich habe meine Qualitäten im fußballerischen Bereich. Ich tue mich leichter, wenn die Mannschaft erfolgreich ist. Aber ich wusste schon bei meinem Wechsel, dass die Rückrunde schwierig werden könnte. Ich -stelle mich der Situation. Man muss nur klar im Kopf sein. In Mainz gab es auch Zeiten, in denen der Blick nach unten ging. Daher kenne ich das schon ein bisschen.

Können Sie verstehen, dass Ihr Wechsel sehr überrascht hat?

Ich habe die Reaktionen mitbekommen. Ich weiß nicht, welchen Wechsel sich die Leute vorgestellt hatten. Ich hatte jetzt keine Angebote von den Top-Klubs Europas. Es war also nicht so, dass ich mir aussuchen konnte, zu welchem Spitzenverein ich gehe. Ich wollte in der Bundesliga bleiben. Der VfL Wolfsburg war der Verein, der sich um mich bemüht hat und bei dem das Interesse konkret war.

Selbst im Vergleich zu Mainz sah Wolfsburg im Winter nach einem Rückschritt aus.

Ich habe mir angeschaut, wie Wolfsburg in den vergangenen Jahren gespielt hat. Vor einem Jahr war der Verein noch in der Champions League. Er hat den Anspruch, international zu spielen. Diese Möglichkeiten und Bedingungen hat der VfL auch in Zukunft.

Dennoch hatten Sie in den vergangenen Jahren Anfragen von Vereinen wie Dortmund, Tottenham oder Valencia.

Ja, das stimmt. In den vergangenen Jahren hatten Vereine aus anderen Kategorien Interesse gezeigt. Das war jetzt nicht der Fall. Das zeigt mir, dass ich noch nicht so weit bin für solche Top-Klubs. Daher sehe ich Wolfsburg als große Chance.

Inwiefern?

Ich muss noch mehr an mir arbeiten und stabiler in meinen Leistungen werden, um irgendwann vielleicht doch wieder interessant zu werden für die ganz große Ebene in Europa.

Ihre Vorgänger als Wolfsburger Spielmacher waren Kevin De Bruyne und Julian Draxler.

Die beiden spielen jetzt tatsächlich bei europäischen Top-Klubs. An diesen Beispielen sieht man, wie sinnvoll der Weg über den VfL sein kann, wenn die Leistung stimmt. Mal sehen, ob es bei mir eines Tages auch dafür reicht.

Ihre Zahlen sind aber sehr stabil. In der vorigen Saison hatten Sie 15 Tor-Beteiligungen, in der Hinrunde waren es zwölf. Werden Sie unterschätzt?

Ich bin mir sicher, dass ich in vielem besser werden kann. Aber ich habe auch nicht die beste Ausstrahlung.

Das müssen Sie erklären.

Ich bin nicht der Typ, der auf oder neben dem Platz rumschreit. Mir wurde oft vorgeworfen, dass ich auf dem Platz lustlos wirke. Aber das ist meine Art. Ich glaube, so etwas zu ändern ist sehr schwer.

Waren Sie deshalb nie Publikums-Liebling in Mainz?

Gemocht haben mich die Fans dort schon. Aber in Mainz wird auch gern gesehen, wenn einer -jede Minute grätscht und ackert. Ich laufe auch 90 Minuten für die Mannschaft, aber bei mir kommt das anders rüber. Vielleicht haben die Fans da etwas vermisst.

Sie sind in Deutschland aufgewachsen, haben sich entschieden, für die Türkei zu spielen. Wie Hakan Calhanoglu, der vor ein paar Wochen vom eigenen Verein kritisiert wurde, nachdem er eine politische Botschaft bei Twitter gepostet hatte. Was halten Sie davon?

Fußball und Politik sollte man nicht zu sehr vermischen. Aber ich denke, jeder Spieler sollte sagen dürfen, was er möchte, und dazu stehen dürfen, was er denkt. Ich würde es je nach Situation für mich entscheiden. In der aktuellen Frage (Staatsreform von Präsident Erdogan; d. Red.) möchte ich öffentlich nichts sagen.

Sie stehen offen zu Ihrem islamischen Glauben. Wie sehen Sie die aktuellen Diskussionen in Deutschland?

Ich bin Moslem und habe damit keine Probleme. Aber der Islam steht im Moment tatsächlich gerade in keinem guten Licht. Wenn man den Islam so lebt, wie er vorgeschrieben ist, kann niemand damit ein Problem haben. Leider gibt es viele Menschen, die ihr eigenes Ding machen, aber so tun, als ob der Islam es ihnen vorschreibt. Ich schlage jedem vor, dass er sich über den Glauben informiert. Die Probleme kommen von Menschen, nicht von Religionen – egal, ob Islam, Christentum oder Judentum.

Macht Sie das traurig?

Ja, schon. Man sieht, wie die Gesellschaft dadurch gespalten und aufeinandergehetzt wird. In den vergangenen Monaten hat man gesehen, wie Hass aufkommt und wozu der führen kann. Das hilft keinem weiter. Wenn wir friedlich miteinander leben möchten, ist das eine gefährliche Entwicklung.

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