Jens Todt: Hunt ist ein Beispiel, wie es beim HSV laufen muss!
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Jens Todt: Hunt ist ein Beispiel, wie es beim HSV laufen muss! Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Jens Todt: Hunt ist ein Beispiel, wie es beim HSV laufen muss!

Der Sportdirektor spricht über die Chancen im Existenzkampf

SPORT BILD: Herr Todt, das 1:0 gegen Hertha BSC war bereits der dritte Sieg im Jahr 2017. Schafft der HSV den Klassenerhalt?

Jens Todt (47): Wir befinden uns nach wie vor in einer wahnsinnig schwierigen Situation, stehen immer noch auf dem Relegationsplatz. Aber wir haben jetzt den Anschluss zu den Nichtabstiegsplätzen wiederhergestellt. Wenn wir weiter solche Leistungen bringen, haben wir ordentliche Chancen, es zu schaffen. Aber es wird noch ein ganz langer Ritt.

Was macht Ihnen Mut?

Wir registrieren sehr genau, wie uneitel, professionell und respektvoll die Spieler mit der Situation umgehen, die es nicht regelmäßig in die Startelf oder den Kader schaffen. Dieser respektvolle Umgang ist für uns ein hohes Gut. Ich denke, dass Gegner und Zuschauer ein sehr genaues Gespür dafür haben, ob wir als Einheit auftreten oder nicht.

Für die Wende beim HSV steht auch Aaron Hunt, der im Januar wegen fehlender Perspektive schon flüchten wollte.

In erster Linie ist Aaron Hunt ein Beispiel für das, was ich gerade beschrieben habe. Er war vor wenigen Wochen noch in einer schwierigen Situation, in der er wenig zum Einsatz kam. Und er ist sehr gut damit umgegangen. Er hat gut trainiert, sich angeboten. Und er hat seine Chance genutzt. Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft und hat trotzdem seine Highlights noch vorne. Er ist professionell und ein absoluter Team-Player.

Es gab eine Aussprache zwischen Trainer Markus Gisdol, Ihnen und Hunt, als feststand, dass er bleibt.

In so einer Situation, in der ein Wechsel bevorsteht – aber nicht zustande kommt –, muss man gemeinsam den Reset-Knopf drücken. Aaron hat alles abgeschüttelt, was vorher in seinem Kopf war, und seine Chance genutzt. Er macht das hervorragend. So stellen wir uns eine Mannschaft vor!

Aaron Hunt war gegen Hertha der beste Mann auf dem Platz. Aaron Hunt war gegen Hertha der beste Mann auf dem Platz. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Ist Hunt ein Vorbild für Pierre-Michel Lasogga, der gegen Hertha wieder nicht zum Einsatz kam?

Er ist jetzt in einer Situation, in der Aaron vor einigen Wochen war. Und auch Pierre-Michel Lasogga geht hervorragend damit um. Er ist auf der Bank und feuert dort die Mitspieler an – auch wenn er nicht spielt. 

Passt Lasogga noch ins System von Gisdol, der auf laufstarke Stürmer setzt, die den Gegner permanent unter Druck setzen?

Er ist ein etwas anderer Stürmer-Typ als Bobby Wood. Aber er hat schon eindrucksvoll nachgewiesen, dass er ein sehr wertvoller Spieler ist.

Sollte sich die Situation für Lasogga nicht ändern, kommt es im Sommer zur Trennung?

Pierre hat einen Vertrag bei uns bis 2019. Von daher stellt sich die Frage für uns derzeit nicht.

Wie bewerten Sie Wood?

Er ist in einer Top-Verfassung. Er arbeitet wahnsinnig viel, gewinnt viele Bälle und Zweikämpfe. Er ist torgefährlich dabei. Bobby macht es richtig gut.

Angeblich soll Wood auf der -Liste englischer Premier-League-Klubs stehen.

Es gibt keinen direkten Kontakt zu englischen Vereinen, es gibt auch keinerlei Anfragen. Wir lesen das auch nur. Wir werden nicht nervös, wenn sich andere Vereine für unsere Spieler interessieren. Wir finden das gut, wenn Spieler des HSV interessant für andere Klubs sind.

Wären Sie bereit, Wood abzugeben oder nicht?

Das ist immer ein Spagat. Natürlich muss der HSV in der derzeitigen finanziellen Situation immer darüber nachdenken, wenn ein Angebot für einen starken Spieler kommt. Das ist normal und gilt so gut wie für jeden Verein in der Bundesliga, mal abgesehen vom FC Bayern. Da darf man nicht naiv sein. Jeder verliert mal Spieler an Vereine, die finanzkräftiger sind. Das kann uns auch blühen. Aber wir wollen Bobby definitiv bei uns behalten.

Gisdol hat sich vor dem Berlin-Spiel geäußert, als Trainer mit dem HSV sowohl in der Bundesliga als auch in der 2. Liga arbeiten zu wollen. Würden Sie das auch noch wollen, wenn es mit der Rettung nicht klappt?

Wenn man gegenseitig voneinander überzeugt ist, kann man alles Mögliche hinbekommen. Und wir sehen eine richtig gute Arbeit von Markus Gisdol und seinem Trainer-Team. Darum sind wir generell an einer Zusammenarbeit interessiert, unabhängig von der Liga.

Wann herrscht Klarheit?

Wir sind in Gesprächen.

Auch die Verträge von wichtigen Spielern wie René Adler, Kyriakos Papadopoulos oder Matthias Ostrzolek laufen aus. Wie geht es mit ihnen weiter?

Wir haben diese Spieler um Verständnis gebeten, dass wir einfach mehr Zeit brauchen. Diese nehmen wir uns auch. Denn wir wissen nicht, wohin die Reise geht, wohin es sich entwickelt, in welcher Liga wir spielen. Wie stabil die Leistungen sind. Das ist ein Gesamt-Paket.

Sie sind seit zwei Monaten beim HSV. Welchen Eindruck haben Sie vom Klub?

Der HSV ist ein großer Tanker. Das, was uns aktuell am meisten hilft, sind Ruhe und klare Entscheidungen. Und wir haben Ruhe. Deshalb bin ich aktuell, was die Zukunft angeht, zuversichtlich. Es gibt einen Riesen-Rückhalt in der Stadt und im Umfeld. Dieser Verein hat richtig Power.