Was macht eigentlich... Christian Ziege?
2002 wurde er Vize-Weltmeister. Was macht eigentlich Christian „die Flanke“ Ziege heute? / Quelle: Getty All rights reserved.

Was macht eigentlich Christian „die Flanke“ Ziege?

Im 17. Teil unserer Serie "Was macht eigentlich...?" stellen wir den ehemaligen Bayern- und Gladbach-Profi vor

Immer wenn irgendwer eine halbhohe Flanke ins Nichts schlägt, sprechen böse Zungen in den Stadien dieses Landes von „einer Christian Ziege-Gedächtnisflanke“. Doch der Namensgeber hat weit mehr als verunglückte Flanken in seiner 15-jährigen Profi-Karriere als Spieler vorzuweisen. 1990 kam der Berliner zum FC Bayern München (227 Einsätze in der Bundesliga, Champions League, Uefa-Cup, Europapokal der Landesmeister, DFB-Pokal und -Supercup). Nach zwei Deutschen Meisterschaften (1994, 1997) und einem Uefa-Cup-Sieg (1996) zog es den Mittelfeldspieler 1997 nach Italien zum AC Mailand (49 Einsätze insgesamt). Auch dort holte er den Meistertitel (1999) und wechselte im gleichen Jahr auf die erste Insel: England. Zieges erste Station in der Premier League war der FC Middlesbrough (29 Einsätze). Schon im darauffolgenden Jahr ging’s weiter zum FC Liverpool (25 Einsätze). Dort heimste der Deutsche 2001 mal eben den FA-, den League-Cup und seinen zweiten Uefa-Pokal ein. Doch auch dieses Intermezzo währte nur eine Saison. Nächste Station: London, Tottenham Hotspur (48 Einsätze).

Erst 2004 kehrte Ziege zurück nach Deutschland und war für die Borussen aus Gladbach am Ball (16 Einsätze).

Den „Adler auf der Brust“ trug Ziege für die Nationalmannschaft von 1991 bis 2004. Sein größter Erfolg war der Europameistertitel 1996. 2002 wurde er mit der Elf von Rudi Völler Vize-Weltmeister.

Anfang 2006 war dann Schluss mit der Spielerlaufbahn. Doch Ziege machte direkt seinen Trainerschein, den er später noch durch ein Fußballlehrerdiplom upgradete. Gladbach blieb er zunächst treu. Seine erste Trainerstation war die Borussen-U17. Darauf folgte ein Interimseinsatz im Profiteam und schließlich der Co-Trainer-Posten neben Hans Meyer. Zwischenzeitlich hatte Ziege auch mal eineinhalb Jahre den Managerposten inne und verhalf auf dieser Position den Borussen zum direkten Wiederaufstieg in die erste Bundesliga (2008).

Im Jahre 2010 verließ er die Fohlen-Welt und nahm Platz als Cheftrainer auf der Bank des Zweitligisten Arminia Bielefeld. Danach folgte Ziege dem Ruf des DFB und trainierte die U18 und U19-Auswahl. Seine letzte Trainerstation in Deutschland war bis März 2015 beim Drittligisten SpVgg Unterhaching.

Seit November des gleichen Jahres trainiert Ziege nun Atlético Baleares, einen spanischen Drittligisten. Und es hat ihn auf die nächste Insel verschlagen – die Lieblingsinsel der Deutschen: Mallorca. Gleich in seiner ersten Saison konnte er Vereinsgeschichte schreiben, als er mit seinem Team den Copa de Federación gewann, einen zweitklassigen Pokalwettbewerb in Spanien.

Zurzeit sieht es mit Platz 7 in der Liga, genauer der Segunda División B - Gruppe 3, eher mittelmäßig aus. Immerhin hat der Klub des deutschen Hotelunternehmers Ingo Volckmann große Ziele. In einem Sport1-Interview berichtete Ziege: „Ziel wird es sein, Atletico in die zweite spanische Liga zu führen." Dabei unterstützen ihn gleich vier Landsmänner in Palma: Ex-Nationalspieler Malik Fathi, Torhüter Benedikt Pliquett, Verteidiger Michael Wiemann und Mittelfeldmann Thilo Leugers. Allerdings werden die deutschen Spieler keinesfalls bevorzugt eingesetzt. Coach Ziege zur Mallorca Zeitung: „Die Nationalität ist mir da wirklich, mit Verlaub, scheißegal. Es geht darum, mit welcher Idee wir ins Spiel gehen, wer im Training überzeugt hat und gegen wen wir spielen. Danach stelle ich die Mannschaft auf und nicht danach, ob jemand Spanier, Deutscher, Kroate, Inder oder was auch immer ist.“

Der Europameister von 1996 feierte am 1. Februar 2017 seinen 45. Geburtstag, sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2017. Sollte der nicht verlängert werden, bleibt abzuwarten, auf welche Insel es Christian Ziege als nächstes verschlägt...

Bisher erschienen sind in unserer Serie „Was macht eigentlich...?“: