Karl-Heinz Rummenigge: Nur Real ist noch vor uns
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Karl-Heinz Rummenigge: Nur Real ist noch vor uns Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Karl-Heinz Rummenigge: Nur Real ist noch vor uns

Bayerns Boss spricht über den Aufstieg des Klubs

Sport Bild: Herr Rummenigge, der FC Bayern steht sportlich wie finanziell mit an der Spitze Europas. Vor über 30 Jahren sah das noch ganz anders aus. Was wäre aus dem FC Bayern geworden, hätten die 11,4 Millionen D-Mark in der Kasse gefehlt, die Ihr Transfer zu Inter Mailand 1984 brachte?

Karl-Heinz Rummenigge (61): Zu diesem Zeitpunkt hatte der FC Bayern Verbindlichkeiten in Höhe von 7,5 Millionen D-Mark. Dank dieses Transfers konnten die Verbindlichkeiten getilgt und außerdem noch Lothar Matthäus verpflichtet werden. Insofern war dieser Transfer ohne Frage sehr wichtig für den FC Bayern.

Im Jahr 2017 ist es unvorstellbar, dass der FC Bayern seinen besten Spieler verkaufen muss. José Mourinho erklärte zuletzt: „Heute ist es unmöglich, vom FC Bayern einen Spieler zu verpflichten …“

Da kann ich José Mourinho nur zustimmen. Gegen den Willen des FC Bayern kann kein Verein der Welt Spieler verpflichten, die bei uns unter Vertrag stehen.

Wenn Sie die Verhältnisse von damals oder auch von vor 20 Jahren mit den heutigen vergleichen: Wo zeigt sich der Aufstieg am deutlichsten?

Der FC Bayern war auch vor 20 Jahren schon ein national und international erfolgreicher Klub. Aber was wir seit 2010 erleben, hat es vorher auch beim FC Bayern so noch nicht gegeben: Sportlich sind wir seitdem so stabil wie nie zuvor, und im wirtschaftlichen Bereich haben unsere Unabhängigkeit und unser Wachstum noch einmal zugenommen.

Verdeutlicht die Vertragsverlängerung von Robert Lewandowski, zu welcher Weltmacht der FC Bayern aufgestiegen ist?

Der FC Bayern steht im Uefa-Klub-Ranking an zweiter Stelle hinter Real Madrid, aber noch vor dem FC Barcelona. Allein das zeigt die derzeitige Stellung des FC Bayern im Weltfußball. Wir haben uns kontinuierlich in die Spitze gespielt und dort etabliert. Die Vertragsverlängerung von Robert Lewandowski hat zwei Dinge gezeigt: Erstens, dass wir unsere besten Spieler auf jeden Fall halten wollen und können. Und zweitens, dass sich die besten Spieler der Welt beim FC Bayern wohlfühlen und hier sehr gut aufgehoben sind.

Sehen Sie einen Fußball-Klub, der weltweit größer als der FC Bayern ist?

Ich denke, als Fußballmarke ist Real Madrid noch vor uns. Dahinter kommen dann mit dem FC Barcelona, Manchester United und dem FC Bayern drei Klubs, die auf einer Stufe stehen.

War es auch ein Signal, als Pep Guardiola sich für den FC Bayern entschieden hat?

Ja, die Verpflichtung von Pep Guardiola als Trainer war ein Zeichen, dass wir bezüglich Philosophie und Strahlkraft auf einem guten Weg sind, ansonsten hätte sich Pep Guardiola nicht für den FC Bayern entschieden.

Was waren die wegweisenden Entscheidungen, die den FC Bayern dorthin brachten, wo er heute steht? War es, als Franck Ribéry trotz eines Angebots über 65 Millionen Euro Ablöse plus den Spieler José Bosingwa nicht an Chelsea verkauft wurde?

Das Angebot, das wir im Jahr 2008 für Franck Ribéry vorliegen hatten, war für damalige Verhältnisse beinahe unglaublich. Die Entscheidung, Franck Ribéry dennoch nicht zu verkaufen, war ein Meilenstein in der Entwicklung des FC Bayern. Das war der Moment, in dem der FC Bayern zu einem „Kauf-Klub“ geworden ist.

Für Thomas Müller lehnten Sie ein 100-Mio.-Angebot von Man United ab.

Was 2008 für Franck Ribéry gegolten hat, galt auch 2015 für Thomas Müller: Wir verkaufen keinen Spieler, der für die Qualität unserer Mannschaft wichtig ist. Das gilt nicht nur für Franck Ribéry und Thomas Müller, das gilt generell.

Arjen Robben sprach kürzlich davon, dass er 2009 den Wechsel nach München als „Rückschritt“ empfunden habe, der Verein heute aber auf einer Ebene mit den Topklubs sei …

Ich glaube schon, dass sowohl die besten deutschen als auch die besten internationalen Spieler den FC Bayern heute anders sehen, als das noch vor sechs, sieben Jahren der Fall war. Seit 2010 standen wir dreimal im Finale der Champions League, in den letzten fünf Jahren fünfmal im Halbfinale. Auch die Spielweise des FC Bayern wird von den Spielern als sehr attraktiv empfunden. Dazu kommt natürlich noch der Fakt, dass wir auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig sind. Insgesamt hat der FC Bayern auch für Spieler sicher an Strahlkraft gewonnen.

Xabi Alonso hört am Saisonende auf. Planen Sie, seine Nachfolge intern zu regeln, oder ist auch der Transfer eines Topstars möglich?

Unser Wunsch wäre, dass Renato Sanches in seine Fußstapfen hineinwächst, deshalb haben wir ihn auch im vergangenen Sommer verpflichtet. Die Qualität dazu bringt er mit, aber wir werden die notwendige Geduld aufbringen müssen.

Wen wünschen Sie sich für das Viertelfinale in der Champions League?

Es gibt kein Wunschlos, aber ich glaube, ein deutsches Duell wäre nicht unbedingt im Interesse der deutschen Fans.