Stammplatzkamof: Thomas Müller gegen Thiago Alcantara
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Thiago gegen Müller: Verzichtet Ancelotti weiter für den Spanier auf Weltmeister Müller (l.)? / Quelle: Getty / All rights reserved.

Die heißesten BAYERN-DUELLE

Der Kampf um die Stammplätze beginnt: Boateng will gesetzt sein, Müller braucht endlich Vertrauen

Von T. Altschäffl und C. Falk

Carlo Ancelotti (58) überraschte seine Spieler schon in der ersten Woche der neuen Saison. Denn obwohl zum Auftakt nur acht Profis an der Säbener Straße waren, ordnete der Cheftrainer zwei Trainingseinheiten pro Tag an: Um 10.30 Uhr und um 17 Uhr. Das hatte es in der kompletten ersten Saison Ancelottis weder in der Vorbereitung noch während der Saison gegeben. Ein Zeichen, dass der Italiener die Zügel anzieht? Die Erwartungen an Ancelotti sind groß. „Wir sind vor einem Umbruch“, betont Präsident Uli Hoeneß. Der Trainer muss einen Weg zwischen dem Anspruchsdenken des Klubs – mindestens die Meisterschaft! – sowie der Neuausrichtung in die Zukunft finden. Gelingt es Ancelotti, der nur selten Einzelgespräche führt, besser, auch unzufriedene Spieler zu motivieren?

Schon vor der China-Reise (16. – 28. Juli) gibt’s auf mehreren Positionen Duelle mit Sprengstoff:

Liebling Thiago gegen Müller

Es ist in der Mannschaft ein offenes Geheimnis: Thiago ist der Lieblingsspieler von Ancelotti. Für ihn opferte er vergangene Saison Thomas Müller. In den wichtigen Spielen wurde die Mittelfeldzentrale von Xabi Alonso, Arturo Vidal und Thiago gebildet. Wie plant Ancelotti nun ohne Alonso? Zieht er Thiago auf die Acht zurück und lässt Müller als Zehner auflaufen? Oder ist ihm diese Ausrichtung zu offensiv? Dann bliebe für Müller weiter nur die Rolle des ersten Einwechselspielers. Für die Mannschaftsstruktur sei dies jedoch schädlich, warnt Ex-Sportvorstand Matthias Sammer: „Die Führungsposition von Thomas muss anerkannt werden. Das ist absolut notwendig.“ Er meint: Müller ist ein Anführer, muss aber dafür auch die Wertschätzung des Trainers spüren. „Matthias hat uns lange begleitet und kennt uns genau“, sagt Müller zu SPORT BILD und macht aus seinem Unmut über die letzte Saison kein Geheimnis: „Dass ich eine ähnliche Ansicht habe, ist klar. Ich finde die Aussagen schön und realistisch dargestellt.“

Jerome Boateng Javi Martinez Niklas Süle Mats Hummels Süle/Boateng/Martínez/Hummels: Vier Verteidiger für zwei Positionen – Neben Hummels stehen Süle, Martínez und Boateng (v.r.) im Konkurrenzkampf Quelle: Getty / All rights reserved.

Innenverteidigung: Aus vier mach zwei!

Die entscheidende Phase der Saison 2016/17 verlief für Jérôme Boateng unbefriedigend: Dass Ancelotti im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund (2:3) auf das Innenverteidiger-Duo Hummels/Martínez setzte, nagt am Fußballer des Jahres. Boateng hatte über die gesamte Saison mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Sein Anspruch ist, bei optimaler Fitness gesetzt zu sein. Jedoch gibt es mit Weltmeister-Kollege Mats Hummels, Javi Martínez  und Niklas Süle, der beim Confed Cup überzeugte, harte Konkurrenz. „Ich weiß, auf was ich mich eingelassen habe und wer auf meiner Position spielt“, sagt Süle zu SPORT BILD: „Ich traue mir das zu, sonst hätte ich es nicht gemacht.“ Boateng beobachtet die Situation genau, noch immer ist ein Wechsel nicht komplett vom Tisch: Chelsea und Man United sind an ihm interessiert. Hummels, der stabilste Bayern-Verteidiger der vergangenen Spielzeit, will dagegen noch mehr Verantwortung übernehmen. Beim ersten Testspiel in Wolfratshausen (4:1) bekam er die Kapitänsbinde, obwohl Neuer-Vertreter Thomas Müller noch auf dem Platz stand.

Arturo Vidal Sebastian Rudy Rudy (r.) fordert Vidal heraus: Der ablösefreie Neuzugang aus Hoffenheim könnte die Überraschung werden. Rudy fordert Arturo Vidal heraus, steht aber ebenso in Konkurrenz zu Corentin Tolisso Quelle: Getty / All rights reserved.

Durchstarter Rudy gegen Platzhirsch Vidal

Uli Hoeneß lächelt zufrieden, wenn er von Sebastian Rudy (27) spricht. „Ich bin überzeugt, dass er einer derjenigen ist, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis am Ende sehr für den Spieler spricht“, sagt der Präsident über den Zugang, der ablösefrei kam. Rudy überzeugte zuletzt mit seiner unaufgeregten, zuverlässigen Spielweise im DFB-Trikot. Er sägt am Thron von Arturo Vidal (30), der sich in der Vergangenheit in der Hinrunde meist vornehm zurückhielt, bevor es in die entscheidenden Spiele ging. Dass Rudy erst am 29. Juli, nach der China-Reise, ins Training einsteigt, macht ihm keine Sorgen: „Ich sehe mich sogar im Vorteil. Ich konnte beim Confed Cup wertvolle Erfahrungen sammeln und mich in den Vordergrund spielen.“ Auch die zusätzliche Konkurrenz durch 41,5-Mio.-Mann Corentin „Coco“ Tolisso (21) schreckt ihn nicht ab: „Wer welche Chancen hat, werden wir ja dann sehen, wenn ich bei Bayern anfange. Wer nach München wechselt, weiß, dass die Konkurrent groß ist und man sich durchsetzen muss.“

41,5 Mio. Euro kostete Corentin Tolisso (22) - Liga-Rekord! Insgesamt gab Bayern 90,5 Mio. Euro aus für Niklas Süle, Kingsley Coman, Serge Gnabry und Tolisso. Nur Sebastian Rudy kam ablösefrei

Kingsley Coman Franck Ribéry Arjen Robben FC Bayern Coman gegen Robbery: Ribery (ganz rechts) gab Coman (l.) Tipps, Spielzeit will jedoch weder er noch Robben (hinten) dem Talent überlassen Quelle: Getty / All rights reserved.

Coman gegen Robbéry

21 Millionen Euro Ablöse ließen sich die Bayern Kingsley Coman (21) kosten. Zuletzt machte der Franzose wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin und einer anschließenden Verhaftung Negativ-Schlagzeilen. „Der Junge wird nicht im Regen stehen gelassen“, erklärte Uli Hoeneß. Der Präsident bat noch in der vergangenen Saison Franck Ribéry (34), sich um die Integration des Landsmannes zu kümmern. Coman allerdings änderte sein Verhalten kaum. Zudem stößt die Hilfe unter Mitspielern an Grenzen, wenn es um Einsatzzeiten geht: Die Bosse wünschen sich mehr Einsatzzeiten für Coman. Doch da reagieren sowohl Ribéry als auch Arjen Robben allergisch: Beide wollen immer spielen. Schon eine falsche Auswechslung birgt bei beiden Explosionsgefahr…

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