Hier spricht Dortmunds 20-Mio.-Mann Maximilian Philipp
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Hier spricht Dortmunds 20-Mio.-Mann Maximilian Philipp. Quelle: Borussia Dortmund / All rights reserved.

Hier spricht Dortmunds 20-Mio.-Mann Maximilian Philipp

„Beim Wechsel weinte meine Oma“

Sport Bild: Herr Philipp, wie froh sind Sie, dass Ihr Wechsel zu Borussia Dortmund vor der U-21-EM offiziell gemacht wurde?

Maximilian Philipp (23): Eine Erleichterung ist es schon. Es wurde in der letzten Zeit viel gemunkelt und spekuliert, beispielsweise galt ein vermeintlicher Wechsel nach Leipzig als perfekt. Als dann Meldungen über meinen Schritt nach Dortmund aufkamen, ich saß gerade mit meiner Mutter beim Essen, hörte mein Handy gar nicht mehr auf zu klingeln. Nun bin ich glücklich, dass es offiziell ist und ich mich voll und ganz auf die EM konzentrieren kann.

Wie fielen die Nachrichten auf Ihrem Handy denn aus?

Die ersten Nachrichten kamen von meiner Familie. Sie sind unheimlich stolz auf mich, meine Oma hat vor Freude geweint, als sie hörte, dass ich zum BVB gehe. Jeder, der mich kennt, freut sich mit mir, dass ich mich nun weiterentwickeln kann. Ich war nie jemand, der rumgemeckert hat, wenn es mal schlechter lief, sondern habe stattdessen immer an mir als Fußballer gearbeitet. Der Wechsel von Freiburg nach Dortmund ist die Belohnung dafür.

Weil Sie sagten, Dortmund sei „der geilste Klub“ in Deutschland?

Ich sagte, Dortmund ist „einer“ der geilsten Klubs in Deutschland – und ich finde, das gilt sogar weltweit. Er polarisiert natürlich, weshalb ich auch enttäuschte SMS aus Freiburg erhalten habe. Da verstehe ich die Fans natürlich. Sie sind traurig, dass ich den SC nun verlasse, was ja auch eine Form von Wertschätzung ist. Aber als ich am Sonntag vor der Verkündung meine Entscheidung traf, wusste ich: Das ist jetzt der richtige Schritt.

Was macht Dortmund so geil?

Wenn du den Rasen betrittst, bekommst du vor dieser Kulisse ein Gänsehaut-Gefühl. Selbst als Gegner denkst du: „Junge, ist das krass!“ Es ist – und ich meine das absolut positiv – fast schon Wahnsinn, wie die Fans den BVB nach vorne peitschen. Außerdem gefällt mir die Art, wie sie Fußball spielen, ballorientiert und schnell nach vorne. Der BVB hat mich allein schon beim Zuschauen begeistert. Ich hoffe, dass ich dort schnell Fuß fassen werde.

Sie haben Vergleiche mit Marco Reus von vornherein abgelehnt.

Ja, weil ich denke, dass wir uns von unserer Spielweise unterscheiden. Ich fühle mich im Zentrum wohler, wo ich mich drehen und mit Tempo auf die Abwehr zulaufen kann. Marco ist ein Spielertyp, der das zwar auch spielen kann, aber er kommt mit seinem Tempo mehr über die Außen, um dann nach innen zu ziehen. Natürlich weiß ich aber, dass ich um die Reus-Vergleiche wahrscheinlich nicht drum herumkommen werde. Allein schon, weil Marco ebenfalls mit 23 zum BVB ging.

Ist es richtig, dass Sie einst fast bei Bayern gelandet wären?

Das stimmt. Hermann Gerland hat eine Enkelin in Berlin, und als er dort zu Besuch war, sah er mich beim Derby gegen Hertha für Tennis Borussia. In dem Spiel erzielte ich zwei Tore. Damals war ich 17, und er hat mich eingeladen, bei Bayern bei der U 19 mitzutrainieren. Gerland sagte mir als Erster: „Du kannst es zum Profi schaffen!“ Das hat mir viel bedeutet, denn bei Gerland weiß man: Er hat bei jungen Spielern fast immer recht. Beim Probetraining zog ich mir dann einen leichten Faserriss zu. Am Ende wurde daraus nichts. Rückblickend kann man sagen: Es sollte alles so sein. So ging es dann erst mal nach Cottbus.

Hat sich Cottbus schon bedankt, dass sie zwei Millionen Euro von Ihrer 20 Millionen Euro hohen Ablöse kassieren?

Mein bester Kumpel Joshua Putze, der bei Cottbus diese Saison spielte, richtete mir aus, dass mich der Präsident erreichen will. Aber das muss er gar nicht, ich brauche kein Dankeschön.

Mit der U 21 greifen Sie in Polen nach dem Titel. Über die 2009er-Europameister sprechen heute noch alle. Mit Jérôme Boateng, Änis Ben-Hatira, Ashkan Dejagah und Patrick Ebert waren viele dabei, die wie Sie die Hertha-Jugend durchlaufen haben.

Das Turnier habe ich als gebürtiger Berliner genau verfolgt. In der Hertha-Jugend hatte ich schon viel von ihnen gehört. Der Onkel von Änis trainierte mich zudem bei Tennis Borussia Berlin. Er predigte uns stets, wie hart Änis auch abseits des Platzes für seine Profi-Karriere gearbeitet hat. Oft ist das ja die alte Leier, aber es stimmt.

Was halten Sie denn von Vergleichen mit den 2009ern?

Wir sind andere Charaktere und Spielertypen, als es die 2009er waren. Was uns eint, ist, dass wir als DFB-Team immer zu den Favoriten auf den Titel zählen. Wir wollen aber ihre Geschichte nicht wiederholen, sondern unsere eigene schreiben. Am liebsten mit dem EM-Titel.

Auf welcher Position sehen Sie Ihre Chance am größten, in die Stammelf zu kommen?

Ich bin in der Offensive recht flexibel, im Trainingslager wurde ich öfters auf dem rechten Flügel eingesetzt. Am liebsten spiele ich allerdings hängende Spitze oder vorne drin. Das sind meine Lieblingspositionen.