Der BVB hat eines der talentiertesten Teams in Europa.
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Der BVB hat eines der talentiertesten Teams in Europa. Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Der BVB hat eines der talentiertesten Teams in Europa

Jung, jünger – Borussia Dortmund

Es waren keine Geringeren als zwei Real-Legenden, die sich Anfang Dezember im VIP-Raum des Estadio Santiago Bernabéu angeregt über Borussia Dortmund austauschten.

Roberto Carlos (43) und José Antonio Camacho (61) kamen gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus über die BVB-Talente Julian Weigl (21), Christian Pulisic (18) und Ousmane Dembélé (19), die den Königlichen gerade ein 2:2 abgerungen und ihrem Klub damit Platz eins in der Gruppenphase der Champions -League gesichert hatten.

Gut drei Monate später steht der BVB nicht nur im Viertelfinale der Königsklasse (gegen Monaco) und im Halbfinale des DFB-Pokals (in München), sondern steuert auch in der Bundesliga wieder voll auf Kurs in Richtung direkter  Champions-League-Qualifikation. Derzeit liegen die Schwarz-Gelben drei Punkte hinter Leipzig auf Platz 3. Vor dem Derby am Samstag auf Schalke ist die Stimmung bestens und soll mit einem Dreier beim Erzrivalen natürlich noch besser werden.

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf den spektakulären BVB-Bubis – denn die Talente-Truppe von Trainer Thomas Tuchel (43) wird langsam erwachsen.

Während die vielen Youngster Anfang der Saison auf eine starke Leistung häufig zwei mäßige folgen ließen, sind sie nun beeindruckend konstant. „Wir spielen seit Wochen auf hohem Niveau“, sagt Tuchel. „Wir haben alle Sinne geschärft und bekommen jetzt auch die Ergebnisse dafür. Auch die, die nicht so zum Zuge kamen, haben die Energie eingebracht, die wir brauchen.

Christian Pulisic ist ein gutes Beispiel. Seine Leistung ist nur möglich, weil er vorher dementsprechend gearbeitet hat.“ Der US-Boy verlängerte seinen Vertrag kürzlich bis 2020, obwohl ihn unter anderem der FC Liverpool auf dem Zettel hatte.

Pulisic avancierte in dieser Saison mit 17 Jahren und 121 Tagen zum zweitjüngsten ausländischen Torschützen in der gesamten Bundesliga-Historie. In der Liga war er schon an acht Treffern beteiligt (drei Tore, fünf Assists). Am vergangenen Wochenende bereitete er beim 6:0 der USA gegen Honduras drei Tore vor, erzielte eins selbst. Sein Marktwert ist von 500 000 auf zwölf Millionen Euro explodiert.

Auch Dembélé zauberte beim 3:1 der Franzosen gegen Luxemburg. In der Liga kommt er schon auf sechs Tore und neun Vorlagen, ist DIE Entdeckung der Saison. Tuchel schwärmt: „Er ist unglaublich talentiert. Er ist das größte Talent, das ich je trainiert habe. Dennoch ist seine Entwicklung überraschend. Es hilft natürlich, dass Auba seine Bezugsperson ist.“

Tatsächlich verbringen Dembélé und Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang (27) viel Zeit miteinander. Sie schicken sich Snapchats, albern in der Kabine oder im Kraftraum herum. Auch auf dem Platz harmonieren die beiden bestens – sieben seiner zehn Torvorbereitungen lieferte Dembélé für Aubameyang! Er sagt selbstbewusst: „Es spielt bei unserem Trainer keine Rolle, wie alt du bist. Wenn du gut bist, spielst du.“

Und Dembélé ist richtig gut: Mit 180 Dribblings ist er der dribbelfreudigste Profi aller 18 Bundesligisten. Die zehn Großchancen, die er bisher vorbereitete, sind ebenfalls Liga-Bestwert. Sein Marktwert hat sich innerhalb eines Halbjahres mehr als verdoppelt. Als er im Sommer aus Rennes zum BVB kam, lag er bei zwölf Millionen Euro, mittlerweile ist er schon 28 Millionen wert. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke (57) sagt zu SPORT  BILD: „Wir hatten von Beginn an die klare Einschätzung, dass Dembélé bei uns Stammspieler werden kann.“

Mit 52 eingeleiteten Torschüssen ist er bester Dortmunder Profi. Was Dembélé (Topspeed: 34,3 km/h) allerdings noch abstellen muss, sind die unnötigen Ballverluste. Mehr als ein Drittel seiner Pässe landen beim Gegner.

Damit ist er das Gegenteil von Weigl, der im Spielaufbau zu den Besten der Liga gehört – seine Fehlpassquote liegt gerade mal bei zehn Prozent. Zudem agiert Weigl auch in den Zweikämpfen extrem clever. Er gewann mit seinen gerade mal 71 Kilogramm starke 59 Prozent seiner Duelle und ist damit einer der zweikampfstärksten Mittelfeldspieler überhaupt.

Im Champions-League-Spiel bei Sporting Lissabon (2:1) gelang ihm zudem endlich sein erstes Pflichtspiel-Tor als Profi auf Vereinsebene. Um die Zukunft müssen sich die BVB-Fans keine Sorgen machen, schließlich stehen mit Raphaël Guerreiro (23), Felix Passlack (18), Dzenis Burnic (18), Mikel Merino (20), Emre Mor (19) oder Alexander Isak (17) noch weitere Top-Talente im Kader.

Kein Wunder, dass Watzke stolz ist: „Es stimmt, dass wir viele junge Spieler haben, die für Furore sorgen. Sowohl Spieler, die wir selbst ausgebildet haben, als auch welche, die wir dazugeholt haben. Das ist schon cool. In der Kategorie der 18- bis 22-Jährigen sind wir ganz vorne in Europa.“

Und Sportdirektor Michael Zorc (54) fügt an: „Viele dieser Spieler hätten überallhin wechseln können, aber sie haben sich für uns entschieden, weil wir Spielpraxis auf höchstem Niveau bieten können.“

Nicht umsonst hat neben Pulisic auch Nationalspieler Weigl seinen Vertrag bis 2021 verlängert. Sie sollen die schwarz-gelben Bubis in Zukunft endlich wieder zu Titeln führen. Auch alle anderen Talente haben langfristige Verträge bis mindestens 2020. Den Bossen ist klar, dass die Angebote der europäischen Topklubs nur eine Frage der Zeit sind. Aber selbst wenn der eine oder andere dem nicht widerstehen könnte, ist dem BVB zumindest eine fette Ablöse garantiert.