Peter Bosz, der neue BVB-Coach
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Peter Bosz: Übernahm im Mai 2016 bei Ajax. Ab sofort steht er an der Dortmunder Seitenlinie. / Quelle: Getty / All rights reserved.

Bosz: Mehr Klopp als Tuchel

Der neue BVB-Coach - alles, nur nicht langweilig

Von Heiko Ostendorp

Mutig oder naiv? Spektakulär oder simpel? Am Spielstil von Peter Bosz scheiden sich die Geister. Aber langweilig wird es jedenfalls nicht.

Wer sich ältere Videos von Peter Bosz (53) anschaut, dürfte sich an den ehemaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp (49) erinnert fühlen. Wie ein HB-Männchen ging der Holländer an der Außenlinie in die Luft, tobte, legte sich mit den Schiedsrichtern an, lebte jedes Spiel voller Emotion mit. Mittlerweile ist Bosz ruhiger geworden – oder zumindest etwas zurückhaltender. In seinen Gesten, aber auch in seinen Aussagen, die früher ebenfalls oft schroff wirkten. Wohl auch deshalb, weil ihm dies die Ajax-Verantwortlichen bei seiner Verpflichtung im Sommer einbläuten. Der Trainer wirkt seriöser, bedächtiger, erfahrener, berichten Weggefährten.

Sein Fußball hingegen ist nach wie vor wild. Bosz liebt – wie Klopp – das extrem hohe Pressing, das schnelle Umschaltspiel. Sobald sein Team den Ball verliert, will er ihn so schnell wie möglich zurück. „Barcelona hatte unter Guardiola eine Drei-Sekunden-Regel“, sagt Bosz. „Aber wir sind nicht Barcelona. Deshalb -habe ich zwei Sekunden draufgepackt. Innerhalb von fünf Sekunden wollen wir den Ball zurückerobern.“

Befürworter loben das enorm intensive und unterhaltsame Spiel von Bosz – wie Amin Younes (23). Der deutsche Nationalspieler von Ajax sagt: „Bosz fordert enormes Pressing, will von seinem Team, dass es auch nach vorne verteidigt. Für ihn ist es egal, ob man zu Hause oder auswärts spielt. Diese Linie will er immer beibehalten.“

Kritiker werfen Bosz hingegen vor, dass er vor allem gegen Top-Gegner etwas naiv ins Verderben rennt und solange nichts gewinnen werde, wie er an seiner Philosophie stur festhalte.

Am liebsten lässt Bosz seine Mannschaft im typischen Ajax-System agieren, also in einem 4-3-3 mit schnellen Flügelspielern, die ja beim BVB zahlreich vorhanden sind mit Marco Reus (28) oder André Schürrle (26) auf links, Ousmane Dembélé (20) oder Emre Mor (19) auf rechts.

Bosz gilt als extrem detailversessen und akribisch, lässt seine Spieler im Training Übungen auch mal bis zum Umfallen wiederholen, wenn sie diese nicht korrekt oder schlampig ausführen.

Vor großen Namen oder hoch gehandelten Talenten schreckt er nicht zurück, wenn sie aus der Reihe tanzen. Entgegen aller Kritik krempelte Bosz auch bei Ajax den Kader radikal um, rasierte  Stammspieler wie Riechedly Bazoer (20), Nemanja Gudelj (25) und Anwar El Ghazi (22). Stattdessen holte und formte Bosz neue Talente wie Bertrand Traoré (21), Hakim Ziyech (24) oder Justin Kluivert (18) und schaffte es, die Skeptiker mit spektakulärem Offensiv-Fußball zu überzeugen.

Langweilig dürfte es in Dortmund mit Bosz also auch in Zukunft nicht werden. Ein einfacher Charakter ist er allerdings ebenfalls nicht, eher ein Sturkopf – dennoch war er bisher überall beliebt. Das war der letzte holländische Trainer beim BVB auch. „Holland-Berti“ Bert van Marwijk (65) coachte die Schwarz-Gelben von 2004 bis 2006. Einen Titel holte er aber nicht. Das soll sich unter „Holland-Peter“ schnellstmöglich ändern.