André Schürrle Borussia Dortmund
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Mit seiner ersten BVB-Saison ist Schürrle nicht zufrieden. Jetzt will er aber ausgeruht angreifen Quelle: Getty / All rights reserved.

André Schürrle: Sind Sie der Verlierer des Sommers?

Der BVB-Star selbstkritisch über seine erste Saison, seine Rolle beim DFB und den neuen Trainer Peter Bosz.

Von Heiko Ostendorp

Der BVB-Star spricht im SPORT BILD-Interview selbstkritisch über seine erste Saison, seine Rolle beim DFB und den neuen Trainer Peter Bosz. Außerdem bremst er die Erwartungen an Mario Götze und hofft, dass Pierre-Emerick Aubameyang bleibt.

Sport Bild: Herr Schürrle, wie ist der erste Eindruck vom neuen Trainer Peter Bosz?

André Schürrle (26): Wirklich sehr gut. Er hat eine klare Ansprache, vermittelt seine Inhalte aber dennoch auf entspannte Weise. Er hat uns schon in den ersten Tagen vermittelt, welchen Fußball er von uns sehen will.

Verraten Sie es uns!

Man wird das relativ schnell sehen: Er will, dass wir extrem hoch pressen. Wir wollen oft den Ball, und wenn wir ihn nicht haben, wollen wir ihn schnell wiederholen. Wir werden wieder etwas weiter vorne als zuletzt agieren.

Mario Götze ist zurück, was erhoffen Sie sich von ihm?

Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Er war jetzt sechs Monate raus, hat wenig am Ball und nichts mit der Mannschaft gemacht. Er wird seine Zeit brauchen, und die sollten und wollen wir alle ihm auch gewähren. Aber Mario in Topform hilft jeder Mannschaft, auch dem BVB.

Magere Saison-Bilanz: Auch aufgrund einiger Verletzungen kam Schürrle vergangene Saison nur auf 25 Pflichtspiele, war an neun Toren beteiligt

Was würden Sie über Ihr erstes Jahr beim BVB schreiben?

Es war ein unglückliches Jahr für mich. Ich bin super reingekommen, habe mich gut gefühlt wie lange nicht. Dann kam die erste Verletzung am Knie, in dieser Zeit hatte sich die Mannschaft gefunden, und es war schwer bis zur Winterpause. Danach habe ich wieder gut angefangen und saß nach ein paar Spielen trotzdem wieder draußen. Dafür habe ich bis heute keine Erklärung und habe ehrlich gesagt auch nie eine bekommen. Aber in Top-Mannschaften ist es halt manchmal so.

Viele waren überrascht, dass Sie trotz Ihrer wenigen Einsätze nicht zum Confed Cup reisten, um Spielpraxis zu sammeln.

Ich habe das mit Jogi Löw abgesprochen. Ich war sechs Wochen verletzt und hatte in der Woche des Pokalfinals noch immer Schmerzen. Deshalb hätte es wenig Sinn gemacht. Es war wichtiger für mich, nach sechs Jahren mit nur zwei, drei Wochen Pause mal richtig Urlaub zu machen, um so jetzt komplett fit und pünktlich in die Vorbereitung zu starten. Das war dem Bundestrainer im WM-Jahr auch wichtiger, als mich jetzt beim Confed Cup dabeizuhaben. Das hat ja so gepasst...

Ihre Konkurrenten konnten glänzen. Sind Sie deshalb der größte Verlierer des Sommers?

Solche Stimmen gibt es natürlich. Wir haben top Qualität, auch in der Breite. Das freut mich mehr, als dass es mich beschäftigt, denn das ist für uns als Mannschaft enorm wichtig. Ich glaube, dass ich dem Bundestrainer oft genug gezeigt habe, dass er sich auf mich verlassen kann, wenn er mich braucht. Auch in den letzten beiden Länderspielen habe ich zwei Tore geschossen, zwei vorbereitet. Trotzdem: Es gilt immer, sich wieder neu zu beweisen. Es ist immer gut für die eigene Leistung, wenn man Druck spürt. Wenn ich jetzt einen Goretzka sehe oder auch Werner – das sind richtig gute Jungs. Und die brennen! Da können wir uns in Deutschland wirklich glücklich schätzen.

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Auf den letzten Fotos sah man Sie oft mit Ihrer neuen Freundin, selten beim Sport ...

Ich muss nicht jeden Tag posten, wie ich im Urlaub arbeite. Auch die privaten Fotos entstanden meist spontan. Ich habe einen Trainingsplan bekommen und diesen natürlich eingehalten, das können Sie mir glauben.

Wissen Sie schon, ob Bosz Sie eher auf dem Flügel oder in der Spitze sieht, falls Aubameyang doch noch wechselt?

Nein, aber das ist zum einen noch völlig offen und zum anderen auch nicht so entscheidend. Ich fühle mich auf beiden Positionen wohl. Wenn Auba da ist, wird er vorne drin spielen.

Wäre es wichtig, dass er bleibt?

Unglaublich wichtig. Wenn jemand in zwei Jahren über 50 Tore schießt, sagt das alles. Dazu ist er auch als Typ wichtig für uns.

Kann man mit ihm auch wieder Bayern angreifen?

Wir haben zwar keinen so großen Umbruch wie vor einem Jahr, aber dafür einen neuen Trainer. Man wird abwarten müssen, wie schnell wir seine Philosophie umsetzen können. Vergangene Saison sind wir Dritter geworden, das muss mindestens wieder das Ziel sein. Im Pokal wollen wir wie immer nach Berlin und dort wieder das Finale gewinnen. In der Champions League geht es darum, die Gruppenphase zu überstehen. Alles danach ist Bonus.

Vier Wechsel machte Schürrle in seiner Karriere und kostete insgesamt 92,5 Mio. Euro ABlöse! Von Mainz nach Leverkusen (8,5), dann zu Chelsea (22), Wolfsburg (32) und für 30 Mio. nach Dortmund

Wird die Liga spannender?

Ich glaube, ja. Es gibt viele gute Mannschaften, die vergangene Saison geschwächelt haben und jetzt wieder Druck machen werden: Leverkusen, Schalke, Gladbach, auch Wolfsburg. Bei Leipzig bin ich gespannt, wie sie mit der zusätzlichen Belastung umgehen. Dazu kommen mit Hannover und Stuttgart zwei starke Aufsteiger, die der Liga guttun – auch wegen der Fans und der Stadien.

Wie sehen Sie als Spieler eigentlich den neuen Markt China?

Es ist verlockend, ohne Frage. Ich glaube, dass sich kein Spieler vor dem Thema verschließt, auch wenn einige das behaupten. Es ist ein Wechsel, der einen – wenn alles klappt – finanziell komplett absichert. Wenn man die Summen liest: Das ist schon verrückt. Es wird spannend zu beobachten, wie lange sie das durchziehen können.

Wie gehen Sie ins WM-Jahr?

Bisher relativ entspannt. Ich will versuchen, verletzungsfrei zu bleiben und Vollgas zu geben. Wenn ich meinen Rhythmus habe, bin ich ein Top-Spieler, der jeder Mannschaft weiterhelfen kann. Aber auch nur dann.

Ist Deutschland nach dem Confed Cup und der U-21-EM als Titelverteidiger 2018 Top-Favorit auf den WM-Titel?

Ja. Aber auch da ist es an der Spitze sehr eng. Es sind die üblichen Verdächtigen: aus Südamerika Brasilien, Argentinien, Uruguay, auch Chile. Dazu aus Europa Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, auch England, vielleicht Belgien – und eben wir.