Mölders: Ich habe noch nie solche Machtkämpfe gesehen
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Mölders: Ich habe noch nie solche Machtkämpfe gesehen Quelle: Getty Images / All rights reserved.

Mölders: Ich habe noch nie solche Machtkämpfe gesehen

Der Stürmer spricht über seine Zukunft

Sport Bild: Herr Mölders, Sie befinden sich inzwischen in Ihrer Heimat Essen, der Abstieg mit 1860 München liegt zwei Wochen zurück. Haben Sie die Vorkommnisse schon verdaut?

Sascha Mölders (32): Verdaut? Nein. Es ist einfach ein beschissenes Gefühl. Mir tut es unfassbar leid für unsere Fans, denn die können am wenigsten dafür und haben es nicht verdient, was passiert ist. Wenn man sich anschaut, was wir teilweise für einen Mist gespielt haben, kann man wirklich nur bewundern, wie viel Geduld sie mit uns hatten.

Am Ende randalierten jedoch die härtesten Fans hinter dem Tor beim Relegations-Rückspiel gegen Regensburg. Wurden da Grenzen überschritten?

Ach, das sehe ich nicht so. Die Fans waren einfach stinksauer. Und zwar zu Recht! Ich hätte wahrscheinlich nicht anders reagiert.

Wie sieht Ihre Bilanz nach eineinhalb Jahren bei 1860 aus?

Die Löwen sind ein Verein mit riesiger Tradition. Aber so ein Chaos wie in den vergangenen eineinhalb Jahren habe ich noch nie miterlebt. Es gab so viele Machtkämpfe, jeder gegen jeden. Kein Tag verging ohne eine neue Geschichte, einen neuen Konflikt. Am Ende hat es auch in der Mannschaft nicht mehr gestimmt.

Was war der Grund dafür?

Im Winter wurden zahlreiche neue Spieler verpflichtet. Die mussten dann natürlich auch aufgestellt werden. Auf Trainingsleistungen wurde überhaupt kein Wert mehr gelegt: Stellvertretend fällt mir Daniel Adlung ein. Er ist ein gestandener Bundesliga-Spieler, er weiß, worauf es in der 2. Liga ankommt. Daniel hat super trainiert, aber keine Chance mehr bekommen. Das Leistungsprinzip wurde außer Kraft gesetzt.

Trainer Vitor Pereira wirkte in der 2. Liga völlig fehl am Platz.

Wir haben meiner Meinung nach mit einem falschen System und den falschen Spielern gespielt. Die Ausrichtung mit einer Fünferkette hat uns das Genick gebrochen, dafür hatten wir einfach nicht die Spieler. Aber am schlimmsten waren die Disziplinlosigkeiten in allen Bereichen, die niemanden gestört haben. Und die Sprachprobleme.

Wie meinen Sie das?

Allein die Kommunikation war eine Katastrophe. Die Neuzugänge konnten sich nicht mit den deutschen Spielern verständigen, dieselben Probleme gab es beim Trainerteam.

Hat sich Pereira von der Mannschaft noch verabschiedet?

Nein, hat er nicht. Das war ohnehin eine Sache, die gar nicht geht, mich aber leider bei 1860 am Ende nicht mehr überrascht hat: Nach dem Abstieg war keiner mehr da! Die Bosse haben sich als Erste aus dem Staub gemacht. Nach dem Abstieg waren die Spieler die Einzigen, die sich geäußert haben. Dabei waren wir alle am Boden zerstört. Doch wir mussten herhalten, weil alle anderen schon gegangen waren.

Wie geht es bei 1860 nun weiter?

Ich war zuletzt mit Daniel Bierofka in SMS-Kontakt. Ihn nimmt die ganze Situation richtig mit, er ist eine Vereins-Ikone. Er ist der richtige Mann für den Neuaufbau. Die Basis ist ja auch gut, die zweite Mannschaft wurde in der Regionalliga Vizemeister. Jetzt haben die Löwen die Chance für einen Neuanfang.

Kann der mit Ismaik gelingen?

Es ist für mich schwierig, dazu etwas zu sagen. Persönlich haben wir Spieler Ismaik nicht oft zu Gesicht bekommen, eigentlich haben wir alles über die Presse erfahren. Ich als älterer Spieler konnte das einschätzen, aber einen jungen Spieler beschäftigen diese ständigen Querelen schon. Und die neue Mannschaft der Löwen wird eine junge sein. Was der Verein braucht, ist endlich Ruhe. Ich weiß nicht, ob die einkehren kann, wenn Ismaik bleibt.

Bleiben Sie in Zukunft bei 1860?

Ich bin durch den Abstieg vertragslos, aber alles ist möglich.